Luxuriöses Wohnen in der Schweiz

Luxuriöses Wohnen
in der Schweiz:

Schöne Aussichten.

BILANZ Homes 02/2008 vom 9. Mai 2008

Schloss Flaach

Wohnen in Baudenkmälern: Nur für Liebhaber

Der Schweizer Markt für denkmalgeschützte Wohnhäuser ist klein. Welche Spielregeln beim Kauf und beim Unterhalt eines historischen Objektes einzuhalten sind.

Ein altes Haus besitzt Harmonie, Stimmung und einen Frieden,
den ein Neubau selten erreicht.

 

Lux-Guyer-Weg. Auf dem blauen Strassenschild ist der Name der herausragenden Schweizer Architektin in Zürich verewigt. Dass das schmale Strässchen im Stadtteil Wipkingen den Namen der Frau trägt, die in den zwanziger Jahren mit ihren architektonischen Entwürfen Geschichte schrieb, ist kein Zufall. Denn es führt direkt zu den Rotach-Häusern, Prototypen des Neuen Bauens im Zürich der damaligen Zeit. Eingekeilt zwischen der lärmigen Wasserwerkstrasse kurz vor der Einmündung in den Milchbucktunnel einerseits und der gemächlich dahinfliessenden Limmat andererseits, kleben die drei aneinandergebauten Einfamilienhäuser von Max Ernst Haefeli wie grosse aufeinandergesetzte Quader am Hang. Typische Exponenten eines Baustils, der sich vom Bauhaus ableitet. Die Rotach-Häuser sind in ihrer Schlichtheit und bauhistorischen Bedeutung ein beliebter Pilgerort für Architekturstudenten und -interessierte.

 

Rotach-Häuser

Die Rotach-Häuser aus dem Jahr 1928 sind Prototypen des Neuen Bauens in Zürich. Vom Architekten Max Ernst Haefeli konzipiert,
gehören sie zu den bemerkenswertesten Beispielen der Zürcher
Moderne. 1989 wurden die Häuser nach strengen denkmalschützerischen Kriterien renoviert.

 

Eine nicht minder grosse Anziehungskraft auf die Liebhaber alter Gebäude hat das nahe von Thur und Rhein gelegene Schloss Flaach. Das Herrenhaus besteht im Kern aus einem spätgotischen Fachwerkbau, dessen Erstnennung aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt. Zwei Erweiterungsbauten im 17. Jahrhundert haben ihm das heutige Aussehen mit den charakteristischen Treppengiebeln und dem Treppenturmanbau verliehen. Und obwohl zwischen den Zürcher Gebäuden und jenem aus Flaach, sowohl vom Alter her als auch architektonisch gesehen, Welten liegen, haben sie doch einiges gemeinsam: Sie sind bauhistorische Zeitzeugen, stehen unter Denkmalschutz und sind nach wie vor im Besitz von Privatpersonen und daher bewohnt.

 

Schloss Flaach

Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Schloss Flaach ist im Grunde ein Herrenhaus, es wurde im Laufe der Jahrhunderte sukzessive umgebaut und erhielt auch Anbauten. Der heutige Besitzer hat dem Anwesen in den 1980er Jahren sowohl aussen als auch innen das mutmassliche Aussehen im 18. Jahrhundert zurückgegeben.

 

Ruggero Tropeano hat eines der Rotach-Häuser in den achtziger Jahren in Konkurrenz mit der Stadt Zürich von der Baugenossenschaft Rotach gekauft und mit Akribie renoviert. Für den Architekten und Bauhaus-Spezialisten ging mit diesem Erwerb ein Traum in Erfüllung: «Ich war schon immer von der Architektur dieser Epoche fasziniert.» Deshalb hat er bei der Renovation mit Überzeugung jedes Detail aufwendig instand gesetzt. Die Wände wurden mit Originalmaterialien der damaligen Epoche wiederverkleidet, die Fenster mit Glas aus den zwanziger Jahren ersetzt, die Böden mit neuem «altem» Linoleum ausgelegt. Und last but not least wurde das ganze Haus mit Original-Designermöbeln eingerichtet. «Ein solches Haus», meint der Experte, «ist ein Gesamtkunstwerk, und dazu gehört auch die Möblierung.»

Genau gleich tönt es auch im Flaacher Schloss. Dort haben Hausherr Werner Dubno und Gattin Elisabeth vor über 20 Jahren in dreijähriger Arbeit den ehemaligen Gerichtsherrensitz nicht nur saniert, sondern auch teilweise wieder in seinen Originalzustand zurückversetzt. Der leidenschaftliche Antiquitätensammler hatte schon zuvor ein altes Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert renoviert und dabei einen grossen Erfahrungsschatz mitgebracht. An den historischen Gebäuden lieben die Dubnos vor allem die Atmosphäre: «Ein altes Haus besitzt Harmonie, Stimmung und einen Frieden, den ein Neubau selten erreicht.»

«Die Rotach-Häuser sind ein Gesamtkunstwerk; dazu gehört auch die Möblierung.»

Zeitaufwendig war es, für das mehrere hundert Jahre alte Gebäude noch passende Bauteile aus der richtigen Epoche und Region aufzutreiben. Denn das Haus war in einem renovationsbedürftigen Zustand, und viele jüngere, wenig passende Einbauten mussten ersetzt werden. Die Dubnos zogen beispielsweise neue Böden ein. Doch diese waren natürlich nicht neu – sondern ebenfalls alt, nur stammen sie aus Abbruchliegenschaften derselben Zeit. Sie liessen die Wände mit Originalverputz restaurieren und Fenster nachbauen, sie machten sich auf die Suche nach alten Türen und Beschlägen, Kachelöfen und Holzdecken. Unterstützt wurden sie dabei nicht nur von Architekten und spezialisierten Handwerkern, sondern auch von den Fachleuten der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflege. Denn wer sich auf das Abenteuer denkmalgeschützter Bauten einlässt, der bekommt von den Behörden eine Liste mit Auflagen, die er erfüllen muss.

6100 Baudenkmäler stehen in der Schweiz unter Bundesschutz, wie einer Pressemitteilung des Bundesamtes für Kultur vom 17. März 2008 zu entnehmen ist. Dies sind nicht etwa nur architekturhistorische Bauten wie Kirchen, Rathäuser oder Schlösser, sondern auch Zeitzeugen, die eine soziale und wirtschaftliche Bedeutung haben. Beispielsweise können auch Fabrikanlagen, Seilbahnen oder Strandbäder als Denkmäler deklariert werden. Betreut werden diese aber nicht auf Bundesebene, sondern von den jeweiligen Kantonen. «Der Bund», sagt Johann Mürner, Chef der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege des Bundesamtes für Kultur (BAK), «ist weit weg von den einzelnen schützenswerten Gebäuden im Land.»

IIhnen nahe sind dafür die kantonalen Stellen. Doch deren Bedeutung wird schweizweit alles andere als einheitlich betrachtet. Es fängt schon damit an, dass das Amt für Denkmalpflege in den verschiedenen Kantonen unterschiedlichen Departementen zugeordnet ist. Beispielsweise ist es in Zürich und Genf dem Baudepartement unterstellt, in Basel und Bern der Erziehungsdirektion und im Jura dem Amt für Kultur. Doch alle Fachstellen werden finanziell bei einzelnen Projekten vom Bund unterstützt. Für die Periode von 2008 bis 2011 beträgt das Budget der Eidgenossenschaft für schützenswerte Objekte nach Sparrunden und neuem Finanzausgleich insgesamt noch lediglich 70 Millionen Franken. Ein Tropfen auf den heissen Stein, denn bereits jetzt übersteigen die Gesuche der Kantone das zur Verfügung stehende Budget aus Bern.

Hans Altherr, Ständerat von Appenzell Ausserrhoden und Präsident von Domus Antiqua, der Schweizer Vereinigung der Eigentümer historischer Wohnbauten, ärgert sich über diese Finanzpolitik des Bundesamtes für Kultur. «Wenn gespart werden muss, geht das zulasten der Denkmalpflege», schreibt er im vereinseigenen Blatt. Domus Antiqua hilft daher auf privater Ebene ihren Vereinsmitgliedern, die ein mindestens 150-jähriges Gebäude besitzen müssen. Auf der Website finden sich unter den aufgeführten Vorstandsmitgliedern viele Namen alter Schweizer Familien: von Wattenwyl, von Salis, von Albertini. Den in der Regel begeisterten Anhängern des Wohnens im Baudenkmal steht die Interessensorganisation nicht nur mit einem ausgebauten Netzwerk an Handwerkern und Architekten zur Seite, sondern sie berät diese auch in Steuer-, Rechts- und Versicherungsfragen, und zwar gern Hand in Hand mit der jeweiligen kantonalen Denkmalpflege.

«Ein altes Haus besitzt Harmonie, Stimmung und einen Frieden, den ein Neubau selten erreicht.»

Diese beantragt bei der Regierung und vertritt vor Gerichten, was schützenwert ist und in welchem Umfang unter Denkmalschutz gestellt wird. Giovanni Menghini, Denkmalpfleger im Kanton Zürich, betrachtet seine Arbeit daher als verlängerten Arm des demokratisch legitimierten Gesetzes: «Wir haben den im Baugesetz verankerten Auftrag, Schutzobjekte als solche zu erkennen und zu erhalten.» Aber darüber, was als schützenswert erscheint, teilen sich die Meinungen. Vor allem, wenn die baulichen Auflagen wirtschaftliche Interessen tangieren. Etwa wenn ein Hausbesitzer aus vier Wohnungen deren acht machen möchte oder wenn während eines geplanten Umbaus plötzlich historische Fundamente oder Wandmalereien auftauchen, die erhalten werden müssen, was zu Mehrkosten und allfälligen Renditeeinbussen führt. Die Folge ist, dass die Denkmalpflege immer wieder als Feindbild herhalten muss.
Andererseits beteiligt sich die Denkmalpflege mit bis zu 30 Prozent an den Mehrkosten, die eine Renovation mit sich bringt. Und sie ist auch die einzige Stelle, an der jeder unentgeltlich Fachwissen beziehen kann. Zum Beispiel was die Wahl der Handwerker betrifft. Denn diese handverlesenen Spezialisten sind gesucht. Welcher Zimmermann kann noch alte Dachstöcke bauen? Wer alte Fenster? Wo sind die Fachleute für alte Böden, wo die Restaurateure für Stuckatur und Täfer?

Fritz Maurer ist einer von ihnen. Der gelernte Bootsbauer hat sich seit 25 Jahren auf die Renovation von historischen Fenstern spezialisiert und dabei jede Menge Fachwissen angehäuft, sodass er in der Branche als Kapazität gilt und viele historische Bauten in der Schweiz in- und auswendig kennt.

Wie die meisten seiner Kollegen macht er die Arbeit mit Herzblut, stets auf der Suche nach dem Optimum. «Ich lese», sagt er, «jeden Tag in der Fachliteratur.» Gefragt ist das Können des Horgener Betriebs in der ganzen Schweiz, ja sogar im Ausland. Bei der Arbeit an den Fenstern ist neben dem richtigen Holz vor allem auch das Glas von Bedeutung. Maurer hortet noch Restbestände von gewalztem Glas, wie man es früher benutzte. Er achtet auf Originalbeschläge und Scharniere.

Auch Thomas Pfister von der Pfister AG in Horgen ZH hat sich auf den Erneuerungsbau spezialisiert. Die Domäne seiner Firma sind mineralische Baustoffe, Steine und historische Kalkputze. Ein Nischensegment, das er pflegt und für das er seine Angestellten ausbilden lässt. «Heute können fast keine Handwerker mehr einen historischen Kalkverputz mischen und anwenden», sagt er. Um das dafür nötige Fachwissen anzuhäufen, absolvieren seine Handwerker beim Baumeisterverband Spezialkurse für historisches Mauerwerk und die verschiedenen Eigenschaften und Anwendungen historischer Putze wie beispielsweise Sumpfkalk, «jahrtausendealtes Baukulturgut unserer Gesellschaft».

Die Denkmalpflege beteiligt sich an
den Mehrkosten, die eine Renovation mit sich bringt.

Logisch, dass derart aufwendiges Fachwissen für die Bauherren seinen Preis hat. Architekt Tropeano ist nicht nur Besitzer der Rotach-Häuser, sondern hat auch als Fachmann unter anderem das Museum und die Hochschule für Gestaltung in Zürich restauriert und das Sanierungskonzept für das Bauhaus in Dessau erstellt. Er weiss, wie teuer und aufwendig diese Massarbeiten sind. Beim damals spärlich angewendeten Spiegelglas spricht er von einem Faktor von eins zu zehn. Die Renovation einer Wand aus den zwanziger Jahren kostet pro Quadratmeter 160 bis 180 Franken. Die Reparatur eines Wasserhahns 500 bis 1000 Franken. Ergo sind einige Bauherren zunächst einmal geschockt. «Es besteht Erklärungsbedarf, was den Unterschied von modernen, industriellen Materialien und handgemachten Unikaten betrifft», sagt Pfister. «Die Bauherren müssen sehr oft erst einmal sensibilisiert werden.»

 

Doppelpalast in Trogen

Der «Honnerlagsche Doppelpalast» in Trogen stammt aus dem Jahr 1763 und wird dem Baustil des Rokoko zugeordnet. Seinen Namen hat er von Johann Conrad Honnerlag (1777–1838) erhalten, der aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie aus Trogen stammt und das Haus bewohnte. Bauherr war Johann Ulrich Grubenmann.

 

Es sind ohnehin nur wenige, die auf dem freien Markt ein solches Objekt erstehen können. Im Kanton Zürich etwa beträgt der Anteil der denkmalgeschützten Bauten unter dem Gesamtgebäudebestand nur drei Prozent. Tatsache ist, dass sich die meisten alten Häuser in der Schweiz in aller Regel seit Generationen in Familienbesitz befinden. Zum Glück für die öffentliche Hand, die dadurch finanziell entlastet wird. «Deswegen werden jene Gebäude, die auf den Markt kommen», sagt Hans Altherr von Domus Antiqua, «meist von den Kantonen verkauft, die diese aufwendig zu unterhaltenden Objekte loswerden wollen.» Das zumindest trifft auf die alten Patrizierhäuser zu, neuere denkmalgeschützte Bauten werden aber oft saniert und dann zu Liebhaberpreisen weiterverkauft.

Insofern sind Werner Dubno und Ruggero Tropeano mit ihren Immobilien, die sie auf dem freien Markt gefunden haben, echte Idealisten. Sie haben auch keinerlei Probleme mit der Denkmalpflege. Denn dort wünscht man sich genau solche Enthusiasten, die den Schutzauftrag zu mehr als 100 Prozent erfüllen. Und so besteht Ruggero Tropeanos derzeitiger Zeitvertreib darin, Ersatzteile aus den zwanziger Jahren für seine Armaturen zu finden. Und Werner Dubno muss daran denken, einige Bauteile an dem vor 20 Jahren instand gesetzten Schloss Flaach erneut zu renovieren.

 

Text: Regina Decoppet und Birgitta Willmann
Fotos: Martina Meier

homes@bilanz.ch

 

Europäischer Tag des Denkmals am 13. und 14. September
Im Zentrum des diesjährigen Europäischen Tags des Denkmals steht der Genuss. In der ganzen Schweiz werden von den einzelnen Kantonen über 300 Events zum Thema Stätten des Genusses durchgeführt. Man kann historische Orte besichtigen oder antike Gegenstände betrachten, die der Bevölkerung sonst nicht zugänglich sind. Ab Mai werden die Veranstaltungen sukzessive im Internet bekanntgegeben. Koordinatorin ist NIKE, die Nationale Informationsstelle für Kulturgüter-Erhaltung.

www.nike-kultur.ch

www.hereinspaziert.ch

 

Bernhard Furrer

Denkmalschutz

«Alter und Schönheit sind
nicht die einzigen Kriterien»

BILANZ Homes: Herr Furrer, was macht ein Gebäude schützenswert?

Bernhard Furrer: Zunächst sind nicht alle alten Gebäude schützenswert, sondern nur ein kleiner Teil davon. Alter und Schönheit sind nicht die entscheidenden Kriterien im denkmalpflegerischen Diskurs.

Wenn «alt und schön» kein Kriterium ist, was dann?

__ Architektur spiegelt die Geschichte einer Gesellschaft, die wirtschaftlichen, politischen, sozialen, religiösen Umstände einer bestimmten Epoche. Damit werden gewisse Gebäude zu wichtigen Zeugnissen jener Zeit und sollten daher erhalten bleiben.

Also gibt es auch neuere Bauten, die unter Schutz gestellt werden?

__ Natürlich. Ein Beispiel ist der Anbau des Berner Kunstmuseums von 1983 vom Atelier 5. Er wurde vor zehn Jahren mit der gleichen Sorgfalt wie ein Bau aus dem 18. Jahrhundert instand gesetzt, weil er für die Entwicklung des Museumsbaus in Europa ein wichtiger Markstein ist. Er wurde nicht nur äusserlich erhalten, sondern auch seine Ausstattung, namentlich das Beleuchtungskonzept, wurden ohne wesentliche Änderung übernommen.

Die Auflagen des Denkmalschutzes werden von manchen Eigentümern als Einschränkung empfunden. Haben Sie diese Erfahrung oft gemacht?

__ Wir erleben zuweilen zu Beginn der Kontakte eine gewisse Skepsis. Eigentum umfasst indes nicht nur Rechte, sondern auch Verpflichtungen. Bei den Denkmälern ist es die Verpflichtung, den Zeugniswert des Denkmals zu erhalten und an die nächste Generation weiterzugeben.

Wie lässt sich Ärger mit den Behörden umgehen?

__ Man sollte bereits vor der Projektierung das Gespräch mit der Denkmalpflege suchen und gemeinsam eruieren, wo die Grenzen sind, aber auch, wo Freiheiten bestehen. Häufig sind die Eigentümer erstaunt über Möglichkeiten zur Veränderung, nachdem sie mit der Denkmalpflege gesprochen haben. Die Vorstellung, das Baudenkmal müsse in allen Teilen unverändert konserviert werden, entspricht nicht den Vorstellungen der Denkmalpflege.

Die Restaurierung eines unter Schutz stehenden Gebäudes wird von den Kantonen finanziell unterstützt. Aber der Bund stellt sukzessive weniger Geld zur Verfügung. Sehen Sie darin ein Problem?

__ Das ist ein echtes Problem, weil in manchen Fällen ein Bundesbeitrag eine Restaurierung erst möglich macht. Wenn sich der Bund aus seiner Mitverantwortung stiehlt, bedeutet dies für manche, namentlich bescheidenere und ländliche Denkmäler den Untergang. Dennoch ist der finanzielle Beitrag nur ein Aspekt. Primär geht es um die fachliche Präsenz der Denkmalpflege vor Ort, die mit ihrem – übrigens kostenlosen – Fachwissen dazu beitragen kann, zu durchdachten Lösungen zu gelangen und auch Geld zu sparen. Beispielsweise wenn es um das Erhalten von alten Bauelementen wie Böden oder Fenstern geht.

Wer bestimmt, was unter Schutz gestellt wird?

__ Denkmalpflege ist Teil der Kultur und untersteht daher der kantonalen Hoheit. Dies ist Ausdruck der unterschiedlichen Kulturen der Landesteile. So werden beispielsweise die Inventare von den Kantonen erarbeitet und haben je nach Kanton unterschiedliche rechtliche Wirkungen. Der Bund ist subsidiär tätig, das heisst, er hilft überall dort, wo ein Kanton inhaltlich oder finanziell überfordert wäre.

Wie steht es um das Bewusstsein der Kantone gegenüber ihren schützenswerten Bauten?

__ Auch das ist unterschiedlich. Manche Kantone haben sehr früh eigene Gesetze erlassen und tragfähige Strukturen aufgebaut, etwa die Kantone Bern, Zürich und Waadt. In andern Kantonen wurde die Denkmalpflege erst nach den Verlusten alter Bausubstanz in den Boomjahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Aufgabe wahrgenommen – da füllte zunächst der Bund die Lücke.

Wann ist ganz generell das Bewusstsein für Denkmalpflege entstanden?

__ Denkmalpflege ist seit dem 19.Jahrhundert ein Thema. In das breite öffentliche Bewusstsein gelangte sie 1975: Unter dem Motto «Eine Zukunft für unsere Vergangenheit» rief man damals europaweit das Jahr des Denkmals aus. Es hat in ganz Europa zu einem Bewusstseinswandel geführt, auch in der Schweiz. Danach entstanden Fachstellen, privat organisierte Vereinigungen formierten sich, Inventare wurden erarbeitet. Diese Initialzündung wirkt bis heute nach.

 

 

Bernhard Furrer

Der Architekt Bernhard Furrer ist Präsident der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege und Inhaber des Lehrstuhls «Recupero, Restauro, Trasformazione» an der Accademia di Architettura in Mendrisio TI.

 

Die wichtigsten Baustile

Von der Renaissance bis zur Gegenwart

 

Renaissance und Manierismus

Frührenaissance (1420–1500)
Hochrenaissance (1500–1525)
Spätrenaissance (1525–1570/1600)

In der Architektur der Renaissance gibt es drei Tendenzen. Die eine besteht darin, die Formensprache der Antike in klassischer Strenge wiederzubeleben. Die zweite Tendenz besteht in der Variation von antiken und neuen formensprachlichen Elementen. Die dritte Tendenz beinhaltet die Weiterverwendung gotischer Motive, die im Gegensatz zu den antiken Formen als modern empfunden werden.

Tempio Malatestiano, Rimini.

Beispiele:

Rimini, Tempio Malatestiano (1446–1455))
Anet (Frankreich), Schloss (1548–1559)
Augsburg, Rathaus (1615–1623)

 

Barock und Rokoko

Frühbarock (1579–1630)
Hochbarock (1600–1680)
Spätbarock (1680–1730)
Rokoko (1723–1780)

Alle strengen Formen der Renaissance werden im Barock aufgelöst. Schwingende Formen, Kuppeln, Säulengruppen, Giebel und Fensterkrönungen mit reichem ornamentalem Schmuck prägen den Stil. Die Ausmasse der Bauten und der Prunk der Dekoration propagieren die Autorität von Kirche und Staat. Dabei ordnen sich die Einzelformen dem Gesamtkunstwerk unter. Die Architektur des Rokoko verliert später wieder ihren pompösen Charakter. Das Lebensgefühl fordert einen heiteren, leichten Baustil mit eleganten und verspielten Details.

Schloss Versailles.

Beispiele:

Versailles, Schloss (1623–1848)
Rom, Vorplatz, Kolonnaden St. Peter (1656–1667)
Paris, Invalidendom (1675–1706)
Dresden, Frauenkirche (1722–1743)

 

 

 

 

19. Jahrhundert

Frühklassizismus (1770–1800)
Klassizismus (1800–1830)
Historismus (1830–1910)

Im späten 18. Jahrhundert gilt der Klassizismus mit seinem fast puritanischen Willen zur Vereinfachung als Gegenmodell der barocken Verschwendungssucht. Ab den 1790er Jahren ist der Klassizismus der Stil der Revolution, und es werden wuchtige Formen bevorzugt. Die Architektur des Biedermeier geht weiter Richtung Dekoration, und Mitte des 19. Jahrhunderts setzt eine Entwicklung zum Historismus ein, der Nachahmung historisch überlieferter Formvorbilder.

Schweizerische Kreditanstalt,Zürich

Beispiele:

London, House of Parliament (1836–1867)
Zürich, Schweizerische Kreditanstalt (1872)
Paris, Eiffelturm (1889)
Berlin, Anhalter Bahnhof (1872–1880)

 

20. Jahrhundert

Jugendstil (1890–1910)
Moderne (1906–1970)
Postmoderne (seit 1959)

Die Abkehr von den historischen Bauformen und die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur und Kunstgewerbe gehören zum erklärten Programm vieler Künstler des Jugendstils. Eine der zentralen Fragen war die Suche nach einem «modernen» Stil. Mit International Style werden alle innovativen Ansätze europäischer und nordamerikanischer Architektur der 1920er und 1930er Jahre zusammengefasst. Allgemeine Charakteristika sind zum Beispiel die Betonung der Rechtwinkligkeit, die asymmetrische Anordnung einfacher kubischer Hauptformen ohne Ornamente und Profilierung. Herausragend dabei ist das Bauhaus (1919–1933) in Weimar, Dessau, Berlin. Hervorgegangen aus der ehemaligen Grossherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule, entwickelt es eine klare, schmucklose Formensprache, die der Zweckmässigkeit des Objektes entsprechen soll. Als das Bauhaus 1933 geschlossen wird, müssen zahlreiche Lehrer und Schüler des Bauhauses Deutschland verlassen. Viele emigrieren in die USA.

Bauhaus Dessau.

Beispiele:

Wien, Ausstellungsgebäude der Secession (1897/98)
Dessau, Bauhausgebäude (1925/26)
Ronchamp, Notre Dame du Haut von Le Corbusier (1956)
Weil am Rhein, Vitra Design Museum von Frank Gehry (1987–1998)

 

BILANZ Homes 02/2008 vom 9. Mai 2008

 

Themenübersicht Heft Nr. 2
vom 9. Mai - 11. September 2008

 

Meinung: Regina Decoppet und Birgitta Willmann über die Bedeutung des Denkmalschutzes.

Immobilienbranche: News und Veranstaltungen.

Wohnen im Baudenkmal: Worauf Liebhaber beim Kauf und bei der Erhaltung von historischen Gebäuden achten sollten.

Ferienhäuser: Wie sich Ferienstimmung und Geldverdienen in der Provence vereinen lassen.

Gartenarchitektur: Brigitte de la Rochefoucauld machte aus ihrem Grundstück in Orléans einen der schönsten Gärten Frankreichs.

Frank Joss: Der Kommunikationsspezialist über das «Internationale Architektur Symposium» in Luzern.

Selection: Die Küchenbauer lassen sich immer mehr von den Profiköchen inspirieren.

Schlösser in Europa: Paläste in Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich, Italien, Spanien und Schweden.

Präsentationen: Hausangebote auf über 40 Seiten.

 

Die nächste Ausgabe von
BILANZ Homes erscheint
am 12. September 2008

 

Wohnen nach der Lebensmitte: Innovative Architektur- und Designkonzepte.

Bauen mit Holz: Berühmte Architekten setzen einen Trend.

Neue Bäder: Die Wellnessoase zu Hause.

Chalets in den Bergen: Angebote in jeder Preislage.

Immobilien-Präsentationen: Angebote für Luxusimmobilien auf rund 40 Seiten.

 

 

 

Immobilien-Präsentationen

Immobilien-Präsentationen

Erstellen Sie jetzt online Ihre Immobilien-Präsentation.
The final delivery date for Magazine No. 3/10 is August 20th, 2010.

 

Anzeige

 

 

BILANZ Das Schweizer Wirtschaftsmagazin

BILANZ: Das Schweizer Wirtschaftsmagazin

BILANZ Homes stützt sich auf das Know-How der BILANZ-Macherinnen und Macher.