
Schöne Aussichten.
BILANZ Homes 04/2008 vom 7. November 2008
Biologische Materialien, niedrige Energiekosten, angenehmes Raumklima: Die nachhaltige Bauweise findet immer mehr Anhänger. BILANZ Homes erklärt, worauf es bei den verschiedenen Minergiestandards ankommt.
Nachhaltiges Bauen gewinnt immer mehr an Relevanz.
«Ich zahle 220 Franken für Heizung, Warmwasser und Lüftung», sagt Ruedi Nuttli. Das ist nicht etwa die monatliche Abrechnung, sondern die jährliche. Und es handelt sich auch nicht um eine Einzimmerwohnung, sondern um ein Haus mit 280 Quadratmetern Wohnfläche. Ruedi und Ines Nuttli haben vor drei Jahren ein Niedrigenergiehaus gekauft und sind damit in den Genuss eines völlig neuen Wohngefühls gekommen.

Siedlung Rychenberg in Winterthur: Moderne Architektur und Ökobauweise sind heute keine Gegensätze mehr der Wohnkomfort eines Minergiehauses ist eher höher als in einem konventionellen Gebäude.
Als das Ehepaar Nuttli vor drei Jahren, noch während der Projektphase, sich dafür entschied, ein Haus in der Überbauung Rychenberg in Winterthur zu kaufen, war ihm in erster Linie die gute Lage und die spannende Architektur ein Anliegen. Dass Nuttlis zusätzlich noch ein Niedrigenergiehaus kauften, wurde ihnen erst so richtig bewusst, als sie vor eineinhalb Jahren einzogen. Denn nun erlebten sie im Alltag die Vorzüge dieser Bauweise: einen hohen Wohnkomfort dank schadstofffreien Baumaterialien, Luftfilter, eine angenehme Raumatmosphäre und erst noch niedrige Energiekosten. «Ich könnte mir heute nicht mehr vorstellen, anders zu leben», sagt Nuttli, der sich völlig für diese Bauweise begeistert.
Ähnliche Erfahrungen machen in der Schweiz alle Besitzer der mittlerweile über 10000 Niedrigenergiehäuser, die statistisch erfasst sind. Vermutlich sind es sogar mehr. Denn seit der Ölkrise in den neunziger Jahren ist nachhaltiges Bauen ein Thema, das kontinuierlich an Relevanz gewinnt.
Der Ruf nach strengeren Bauvorschriften wird laut.
Gut fürs Portemonnaie. «Liegenschaften sind mit Abstand die grössten Energiefresser in der Schweiz», sagt Michael Kaufmann, Vizedirektor Energie Schweiz, «sie verbrauchen über 40 Prozent der gesamten Energie und verursachen rund 45 Prozent des CO2-Ausstosses.» Was bislang die wenigsten kümmerte, bekommt durch das vermehrte Interesse an Umweltschutz und tiefen Energiekosten neue Bedeutung. Es findet ein Umdenken statt, wie Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienanalyse der Credit Suisse (CS), feststellt: «Im alljährlich von der CS erhobenen Sorgenbarometer wurde das Umweltbewusstsein erstmals seit langem wieder als eine der Hauptsorgen der befragten Haushalte genannt.»
Der Ruf nach energieeffizienten Bauten und neuen, strengeren Bauvorschriften wird laut. Für Hasenmaile nicht überraschend. «Die Leute reagieren oft erst, wenn es ihnen ans eigene Portemonnaie geht.»

Doppelhaus in Cham ZG: Grosse Fensterfront an der Südfassade, wenige Fenster auf der Nordseite; typische Merkmale für eine energiesparende Bauweise.
Das bekommt Giovanni Cerfeda, Architekt der Überbauung Rychenberg in Winterthur, in der die Nuttlis wohnen, zu spüren. Cerfeda, der sich Anfang der neunziger Jahre bereits mit dem Thema auseinandersetzte und dann kompromisslos begann, ökologische Solarhäuser zu bauen, galt damals als Exot. «Heute rennen uns die Interessenten die Bude ein», sagt er. Auch weil sich die Überbauungen von Cerfeda nicht von anderer zeitgemässer Architektur unterscheiden.
Cerfedas Ästhetik ist Lichtjahre von «handgestrickten Ökobauten oder Häusern mit Laborcharakter» entfernt. Von Anbeginn nannte Cerfeda seine Häuser Solarhausplexus. Andere nennen ihre Bauten Passiv-, Null-Energie- oder Minergiehaus. Gemeint ist mit allen Begriffen: Gebäude, die unter dem Gesichtspunkt von Energieeffizienz und nachhaltiger Bauweise konstruiert werden.
Als Synonym für ökologisches Bauen hat sich in der Schweiz Minergie etabliert. «Der Ansatz von Minergie hat so überzeugt, dass er von Bund und Kantonen konsequent gefördert worden ist», sagt Michael Kaufmann von Energie Schweiz, «heute ist er marktfähig.» Sehr zur Freude von Minergie-Geschäftsführer Franz Beyeler. «13 Prozent der neu erstellten Wohnhäuser und 15 Prozent der Dienstleistungsbauten haben heute Minergiestandard», sagt er stolz. Gerade erst konnte der Verein das zehntausendste Minergiehaus zertifizieren. In der Zwischenzeit hat sich das Label auch noch diversifiziert. Neben der einfachen Minergie-auszeichnung kann man ein Minergie-P- oder gar ein Minergie-P-Eco-Zertifikat erreichen. Labels, die noch höhere Anforderungen an die Energieeffizienz und den ökologischen Ausbaustandard stellen.
Minergie wurde zum Synonym für ökologisches Bauen.
Die Verteilung der Minergiegebäude in der Schweiz zeigt regionale Unterschiede, vor allem die Kantone Bern, Zürich und Aargau spielten eine Vorreiterrolle. Auch Basel-Stadt hat seit diesem Jahr ihr Minergie-P-Haus. Architekt Stefan Knüsel von Toffol Architekten arbeitete sich fünf Jahre lang in die Thematik ein, als noch weit und breit kein Projekt in Sicht war. «Wir wollten für den herbeigesehnten Fall gewappnet sein.»
Die Investition hat sich gelohnt. Inzwischen läuft ein Grossteil seiner Projekte unter dem Gesichtspunkt nachhaltiger Energiekonzepte.
Andere Bedingungen. Was genau unterscheidet ein Niedrigenergiehaus von einem herkömmlichen Gebäude? Beat Kämpfen aus Zürich, ebenfalls Ökoarchitekt der ersten Stunde: «Nachhaltiges Bauen erfordert einen spezifisch auf bestimmte Bedürfnisse angepassten Planungsprozess, man kann nicht zuerst eine Hülle entwerfen und dann die Technik einbauen.»
Ein solches Gebäude verlangt nach Grundbedingungen wie dicken Mauern, kompaktem Volumen und Solarkollektoren auf dem Dach. Diese müssen dann in die Ästhetik der Architektur integriert werden.
Kämpfens Lieblingsmaterial ist Holz. So ist auch das Doppelhaus in Cham, das er zusammen mit Ivo Bumann gebaut hat, ein reiner Holzbau. Typisch für die energiespeichernde Bauweise sind die grosse Fensterfront an der Südfassade, wenige Fenster auf der Nordseite, dunkle Schieferböden und optimal isolierte Aussenwände.

Cosy Place in Basel:Das Minergielabel hat sich diversifiziert. Das Mehrfamilienhaus in Basel wurde nach dem Minergie-P-Standard gebaut.
Für die aktivsolare Energienutzung sind auf den Balkonen Vakuumröhrenkollektoren als Geländer eingebaut, womit Energie für Heizung und Warmwasser gewonnen wird.
«Die Hauptvorteile eines Minergie-P-Hauses liegen auf der Hand: maximale Wohnbehaglichkeit bei minimalen Energiekosten», sagt Stefan Knüsel von Toffol Architekten. Ein raffiniertes Belüftungssystem sorgt für gute Luftqualität. Auch im Winter sind Wände und Glasscheiben angenehm warm, und die mechanische Lüftung bringt vortemperierte und im Frühjahr pollengefilterte Luft in die Räume.
Ivo Bumann ist nicht nur Architekt, sondern bewohnt selber seit vier Jahren ein Minergiehaus. «Menschen, die noch nie so gewohnt haben, befürchten stickige Luft, da man im Winter die Fenster nicht öffnen sollte», führt er aus, «aber genau das Gegenteil ist der Fall. Dank der stets guten Belüftung und Luftzirkulation existiert das Problem von abgestandener Luft nicht.» Auch die Angst, man müsse in solchen Häusern frieren, sei absolut unbegründet, eine stete Zimmertemperatur von 22 Grad sei problemlos machbar.
Dank guter Belüftung existiert das Problem von abgestandener LUft nicht.
Das Ergebnis dieser Bemühungen ist eindrücklich. Braucht ein durchschnittlich isoliertes Gebäude neun Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr, sind es bei Niedrigenergiehäusern manchmal weniger als vier Liter. Wird dazu ein Grossteil des Stromes selbst gewonnen, sind diese Häuser nahezu Selbstversorger. Traumhafte Resultate, sollte man meinen. Trotzdem wird in der Schweiz noch immer nicht jeder Neubau, jedes Sanierungsobjekt und jede Renovation nach Minergiestandards durchgeführt. Dabei liesse sich so die Energieeffizienz steigern, und die CO2-Emissionen könnten massiv reduziert werden.

Möglichkeiten für Altbauten. Dass noch nicht jede Bautätigkeit nach Minergiestandards ausgeführt wird, liegt primär an den höheren Kosten. Ivo Bumann hat diesbezüglich einschlägige Erfahrungen. «Als Architekt würde ich am liebsten nur Minergiehäuser bauen, aber viele Bauherren scheuen den zusätzlichen finanziellen Aufwand.» Dieser liegt durchschnittlich etwa sechs Prozent über dem herkömmlichen. Trotzdem ist die Entwicklung bei den Neubauten positiv zu bewerten. Das Problem liegt bei den Altbauten.
Die jährlichen Neubauten machen nur etwa ein Prozent des Gesamtwohnungsbestandes in der Schweiz aus. Ansetzen sollte man deshalb vor allem bei Renovationen und Sanierungen von älteren Bauten. Dort hapert es jedoch oft am Investitionswillen der Eigentümer. «Die Eigentümer müssten für eine energetische Renovation Mehrkosten in Kauf nehmen, deren Amortisation unsicher ist oder weit in der Zukunft liegt», sagt Fredy Hasenmaile von der
Credit Suisse. So werden die meisten Sanierungen nicht energieeffizient realisiert.
Eine Herausforderung für Michael Kaufmann vom Bundesamt für Energie. «Der Schlüssel für eine rasche Senkung der CO2-Emissionen in der Schweiz liegt in einer energietechnisch sinnvollen Renovation dieser Gebäude», sagt er. Das sei heute technisch problemlos möglich. Doch zwingen könne man die Bauherren nicht, ergo müssten von Bund und Kantonen Anreize geschaffen werde, die eine Entwicklung in die richtige Richtung ermöglichten. Die Kantone sind denn auch daran, die im Jahr 2000 erlassenen Mustervorschriften für Gebäudestandards bei Neubauten massiv zu senken. Konkret: Absenkung des maximalen Energieverbrauchs von 9 auf 4,8 Liter Heizöl pro Quadratmeter. Bei den Gebäudesanierungen denkt man daran, Fördermittel zu sprechen, falls energieeffizient umgebaut wird. «Ich hoffe, dass diese Ideen schnell umgesetzt werden», sagt Kaufmann, «damit übernähmen wir in Europa eine Vorreiterrolle.» Das zu erreichen, erfordert Massnahmen: Subventionen, steuerliche Erleichterungen, verbilligte Hypotheken. «Was wir brauchen, sind im Jahr etwa 200 Millionen Franken», sagt Kaufmann. Neben Massnahmen auf politischer Ebene könnte aber auch der Markt spielen, «wenn die angebotenen Produkte so überzeugend sind, dass wirklich jeder sie will», meint Banker Fredy Hasenmaile. Aber um all das zu erreichen, ist es unabdingbar, dass der Wissenstransfer über das komplexe Thema des energiesparenden Bauens und Sanierens gewährleistet ist.

Doppelhaus in Cham ZG: Die Ökotechnik muss in die Ästhetik integriert werden. Gutes Beispiel dafür sind die Kollektoren im Balkongeländer; sie tragen zur Energieversorgung des Hauses bei.
Minergie ist das richtige Vehikel auf dem Weg dorthin. Dass das Modell Schule macht, zeigt das grosse Interesse aus dem Ausland. Franz Beyeler hat Anfragen aus ganz Europa und aus Japan. «Die wollen unser Konzept importieren.» In der Schweiz jedenfalls ist Minergie zur Erfolgsgeschichte geworden. Wie Fredy Hasenmaile beobachtet hat, gibt es «bereits Anzeichen dafür, dass ein Minergiehaus auf dem Markt mehr wert ist als ein herkömmliches Haus».
Text: Regina Decoppet und Birgitta Willmann
Fotos: Roberto CeCcarelli
Interview Wallbaum
Holger Wallbaum fordert Steuervergünstigungen für nachhaltiges Bauen und sagt, wie Ökomodule den Spielraum für Architekten erweitern.
BILANZ Homes: Was bedeutet nachhaltiges Bauen eigentlich?
Holger Wallbaum: Es geht um die Balance zwischen ökonomischer Entwicklung, ökologischen Anforderungen und den Bedürfnissen der Nutzer. Ohne hier ein Gleichgewicht zu schaffen, können wir unsere Zukunft nicht sicherstellen.
Seit wann sind Umweltschutz und Ökologie im Bau ein Thema?
Seit den siebziger Jahren und der Ölkrise ist das Thema Energie in den Fokus gerückt und wird immer breiter diskutiert. In den neunziger Jahren wurden die ersten Energielabels ins Leben gerufen.
Warum steht beim Thema Energieverbrauch und Energieeffizienz der Bausektor im Zentrum?
Er verbraucht rund 40 Prozent der globalen Primärenergie und produziert bei der Beheizung, der Kühlung und der Beleuchtung von Gebäuden sowie beim Warmwasser etwa ein Drittel der gesamten anthropogenen CO2-Emissionen.
Wo müssen die Hebel bei der Reduktion angesetzt werden?
Dies bedeutet für jede Baustelle, dass von der Rohstoffgewinnung bis zum Abbruch eines Gebäudes ein Optimum an Energieeffizienz erreicht werden muss.
Was für Massnahmen schlagen Sie vor?
Neben der Substitution von fossiler durch erneuerbare Energie wie Wind, Wasser, Erdwärme oder Fotovoltaik muss man den Pro-Kopf-Energiebedarf deutlich und möglichst rasch senken. Die Lösungsansätze sind allerdings immer lokal, denn Klima, Bevölkerungsentwicklung, Anzahl Neubauten, erhaltenswerte Ressourcen sowie die Verfügbarkeit von Wasserkraft, Geothermie und Sonnenenergie sind global gesehen sehr unterschiedlich. So spielt in der Schweiz die Wasserkraft eine wichtige Rolle, die Geothermie aber noch nicht, obwohl sie ein sehr grosses ökologisches wie ökonomisches Potenzial hat.
Die Architekten gehören nicht gerade zu den Pionieren des nachhaltigen Bauens, weil sie sich in ihrer Kreativität eingeschränkt fühlen. Findet nun ein Umdenken statt?
Langsam, aber sicher, denn gerade hier ist die Kreativität gefordert. Nachhaltiges Bauen bedeutet auch nicht unbedingt eine Einschränkung, es verändert einfach die Anforderungen. Und natürlich ist es begrüssenswert, wenn Ingenieure attraktivere Produkte entwickeln, die Hand in Hand mit einem ansprechenden Design gehen.
Zum Beispiel empfinden viele die Sonnenmodule auf dem Dach als unästhetisch. Auf dem Markt gibt es aber auch verschiedenfarbige Module, die in die Gebäudehülle integriert werden können und den Spielraum der Architekten eher erweitern als einschränken.
Und auf der Baustelle: Können Handwerker mit den neuen Technologien umgehen?
Der Wissenstransfer ist wie überall noch ein Manko. Das Bauen wird sich jedoch stark verändern, in Zukunft wird immer mehr Vorfabriziertes eingesetzt. Vergleichbar mit Handys und Computern werden Häuser zu hochwertigen Produkten. Im Bauwesen besteht diesbezüglich noch immer ein Nachholbedarf im Vergleich zu anderen industriellen Entwicklungen.
Warum geht die Entwicklung nicht schneller voran?
Nachhaltigkeit ist anspruchsvoll, und wir sind darin nicht geschult. Wir haben noch Defizite in der Aus- und Weiterbildung. Die Wirtschaftlichkeit regenerativer Techniken fehlt noch weitgehend. Die Energie- und Materialpreise sprechen nicht die ökologische Wahrheit. Auch der politische Wille zur Durchsetzung eines zukunftsfähigen Energiekonzeptes auf der Angebots- und Nachfrageseite ist noch nicht genügend, schliesslich fehlt ein aufgeklärtes Verhalten der Konsumenten.
Wie fördert man nachhaltiges Bauen?
Man muss Massnahmenbündel schnüren, mit Steuervergünstigungen, Förderungsprogrammen oder mit einem Zertifizierungssystem Orientierung bieten. Eine Vorreiterrolle haben auch Firmen, die das Thema Nachhaltigkeit im Leitbild verankern, wie zum Beispiel der weltweit tätige Baustoffkonzern Holcim, der zum zweiten Mal zwei Millionen US-Dollar Preisgeld für internationale, baustoffunabhängige Projekte im Bereich des nachhaltigen Bauens vergibt.
Holger Wallbaum
Holger Wallbaum ist Professor für nachhaltiges Bauen an der ETH Zürich.
Verbesserter Standard
Der Minergiestandard ist keine Norm, sondern ein freiwilliges Label. Ins Leben gerufen wurde es vom Verein Minergie mit dem Ziel, komfortabler und energieeffizienter zu bauen. In diesem Jahr feiert der Verein sein Zehn-Jahr-Jubiläum. Die Marke wird von Wirtschaft, Kantonen und Bund gemeinsam getragen und ist vor Missbrauch geschützt. Ausschlaggebend für eine freiwillige Minergiezertifizierung ist der Bau. Eine hochwertige Bauhülle, der Einsatz von erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Verbesserung der Lebensqualität und Senkung der Umweltbelastung sind charakteristisch für Minergiehäuser. Bereits über 10'000 Gebäude wurden in den letzten Jahren Minergie-zertifiziert.
Im Laufe der Jahre wurde der ursprüngliche Standard verfeinert und verbessert. Heute sind unter der Dachmarke Minergie die Standards Minergie-P und Minergie-Eco vereint. Der 2002 eingeführte Minergie-P-Standard stellt noch höhere Anforderungen an einen Bau. Der jüngste Standard, Minergie-Eco, beurteilt neben der Energieeffizienz auch gesundheitliche und bauökologische Aspekte. Wer alles richtig machen will, der baue jedoch ein Minergie-P-Eco-Haus. Von denen allerdings gibt es bis jetzt nur wenige – Tendenz aber klar steigend.
Ökoarchitektur von der Stange
Die in St.Gallen ansässige Stiftung Oikos Foundation for Economy and Ecology hat 2008 den dritten Preis an Steve Glenn, den Gründer der kalifornischen Firma Living Homes, vergeben. Glenn hat zusammen mit berühmten Architekten eine Serie vorfabrizierter Ökohäuser entwickelt; er bewohnt selber das von Ray Kappe gestaltete Haus, das 2006 die höchste Auszeichnung für grünes Bauen in den USA (Leed Platinum Award) bekommen hat. Leed bedeutet Leadership in Energy and Environmental Design und wird vom U.S. Green Building Council vergeben.
Im Sommer kühl, im Winter warm
Schweizer Solarpreis für das erste Null-Energie-Bürogebäude.
Architekt Beat Kämpfen hat den Schweizer Solarpreis für das von ihm erstellte Verwaltungsgebäude von Marché International in Kemptthal ZH erhalten. Dabei handelt es sich um das erste wirkliche Null-Energie-Verwaltungsgebäude der Schweiz, welches Minergie-P-Eco-zertifiziert ist. Das Projekt beruht auf einem passiv-solaren Gebäudekonzept, das durch gezielte Massnahmen einen nur äusserst geringen Energiebedarf erfordert. Der längliche Baukörper mit der verglasten Südfassade nutzt die Sonneneinstrahlung maximal. Durchlaufende Balkone und Stoffstoren beschatten die Fassade und schützen vor einer Überhitzung der Büroräume im Sommer. Die Hälfte der Südfassade ist mit neuartigen, opaken und mit Salzhydrat gefüllten Scheiben verglast, welche die Sonnenwärme speichern und zeitlich verzögert dem Raum abgeben. Die übrigen Fassaden weisen eine dicke Wärmedämmung auf und minimieren so die Wärmeverluste des Gebäudes. Zur Nordseite bilden die Fenster eher kleine Guckkästen mit schöner Aussicht in die Baumkronen. Die höchsten Ansprüchen hinsichtlich Wärmedämmung und Luftdichtigkeit genügende Gebäudehülle wird ergänzt durch eine innovative Gebäudetechnik.
Die Erdsonden-Wärmepumpe sorgt für Wärme in winterlichen Nebelperioden, aber auch für Kühlung im Sommer. Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung macht es überflüssig, die Fenster zu öffnen, und garantiert trotzdem gute Luft in den Büroräumen. Der Energieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser liegt etwa bei einem Zehntel desjenigen in einem konventionell gebauten Gebäude. Der Minergie-P-Standard wird deutlich übertroffen.
Immobilienbranche: News und Veranstaltungen
Meinung: Birgitta Willmann und Regina Decoppet über die Förderung von Niedrigenergiehäusern.
Ökologisch Bauen: Design und Architektur sind kein Widerspruch.
Immobilien am Golfplatz: Golfer wohnen am liebsten mit Sicht auf „the green“.
Designer Heinz Julen: Seine spektakulären Bauten in den Schweizer Bergen.
Donato Sconamiglio: Der Direktor des Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien AG IAZI über die Trends 2009.
Home Entertainment: Gute Unterhaltung in den eigenen vier Wänden.
Träume für Heimhandwerker: Eine Auswahl an renovationsbedürftigen Immobilien.
Präsentation: Renommierte Immobilienfirmen präsentieren zum Verkauf stehende Immobilien.
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The final delivery date for Magazine No. 3/10 is August 20th, 2010.
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