
Schöne Aussichten.
BILANZ Homes 04/2009 vom 20. November 2009
Wohnen hoch über den Dächern: Der Traum vieler Stadtmenschen rückt das Penthouse in den Fokus der modernen Architektur – mit exklusiven Resultaten.
Freie Sicht auf begrünte Terrassen, Hinterhöfe, den Himmel. Weit unten, in den Strassen und Parks, pulsiert das Leben. Urban wohnen, über den Dächern und dem Lärm, das ist es, was viele wollen. Die Liste der Penthousebesitzer in New York belegt den Trend. Sie liest sich wie das Who is who der Showprominenz: Robert De Niro, Johnny Depp, Jay-Z, Björk und Beyoncé. Die luftige Abgeschiedenheit, verbunden mit viel Tageslicht und einem Maximum an Privatsphäre, macht die Immobilien zu begehrten Luxusobjekten, und das mitten in der City.
Das hat man inzwischen auch in der Schweiz erkannt. Vor allem Zürich ist im Moment dabei, in grossem Stil aufzurüsten. Die Tatsache, dass derzeit viele Penthouse- oder, wie sie ebenfalls genannt werden, Attikawohnungen gebaut werden, ist eine Folge der immensen Nachfrage. Meist sind es freistehende Wohnungen auf den Dächern von hohen Gebäuden mit umlaufenden Terrassen. Mischformen sind grosszügige Wohnungen auf der obersten Etage oder Dachausbauten mit grosszügigen Aussenräumen.

Loft mit Fernsicht: Hell und frei von Ballast: Penthouse im
Breitenrainquartier – mit zimmerloser Raumaufteilung
und grosser Fensterfront.

Wohnfest. Neubauten werden aufgrund der Nachfrage praktisch ohne Ausnahme mit Flachdächern bestückt. So auch ein Mehrfamilienhaus, das die Berner Firma Pirit im Breitenrainquartier in Bern erstellt hat. In die 125 Quadratmeter grosse Attikawohnung im Loftstil ist René Bucher, Mitinhaber der Pirit, vor kurzem eingezogen. Für ihn eine neue Erfahrung: «Zuvor lebte ich viele Jahre in einer riesigen Altbauwohnung mit zahllosen Zimmern im Zentrum der Stadt – auch eine spannende Wohnform.»
«Der Boom an Hochhäusern ist für
Makler eine neue Erfahrung.»
Nun geniesst der Unternehmer das moderne Wohngefühl. Mit dem Lift kann er direkt von der Parkgarage bis hinauf in seine Wohnung fahren. Riesige Fensterfronten ermöglichen einen fantastischen Blick über die Stadt. Die zimmerlose Raumaufteilung, die viele Gestaltungsmöglichkeiten zulässt, gefällt René Bucher: «Das Ambiente ist offen, hell und frei vom üblichen Ballast. Ein wahres Wohnfest.»
Künftig werden immer mehr Menschen in den Genuss dieses Wohngefühls kommen. In die Höhe gebaut wird vor allem in Zürich West, Neu-Oerlikon oder Altstetten. Es entstehen Gebäude mit Schweizer Rekordhöhen: Der Prime Tower mit 126 Metern, primär ein Bürohochhaus, wird bei seiner Vollendung 2010 alles überragen. «Der Boom an Hochhäusern, die derzeit neu entstehen», sagt Stefan Schmid von Kuoni Müller & Partner (KMP), «ist auch für uns als Makler eine neue Erfahrung.» Der Immobilienspezialist beobachtet den lukrativen Markt für Penthouses genau, denn diese sind nur beschränkt erhältlich, «vor allem in der City sind die Objekte rar».
Fürs Alter. Architekt Peter Kyncl ist Besitzer einer solchen Trouvaille. Fündig wurde er in einem Neubau direkt am Kreuzplatz, den er als Partner des Architekturbüros Kyncl Schaller Architekten mitgestaltet hat. «Ein Glücksfall», meint er, «die Lage ist einzigartig.» Von der Terrasse aus sieht er auf den Arterpark und den Zürichberg sowie auf Stadt und See. Die in Sichtbeton gehaltene Wohnung betrachtet der über 50-Jährige als seinen Alterswohnsitz. «Wenn ich nicht mehr so mobil bin, habe ich hier eine Tiefgarage und einen Lift bis in die Wohnung, Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Haustür und bin mitten in der Stadt.»

Schlicht am Kreuzplatz: Funktional: Das Penthouse besticht durch offene Räume, ein Minimum an verwendeten Materialien oder Nasszellentrenner als Leuchtkörper.
René Bucher und Peter Kyncl sind laut Stefan Schmid die typische Penthouse-Klientel, «die meisten Käufer von Penthouses sind über 45». Jüngere sind meist finanziell nicht dazu in der Lage. Gesucht sind sie bei einem international geprägten, offenen und kapitalstarken Publikum, das bereit ist, den Preis für den Luxus einer solchen Immobilie zu zahlen. Dank Aussicht und tiefem Lärmpegel kostet gemäss Wüest & Partner das oberste Geschoss im Schnitt rund acht Prozent mehr als die übrigen Etagen. «An sehr zentraler Lage kann die Differenz sogar ein Vielfaches sein.» An Bestlagen in Zürich kostet der Quadratmeter zwischen 20'000 und 25'000 Franken, ein 200 Quadratmeter grosses Penthouse kommt so rasch einmal auf vier bis sechs Millionen zu stehen.
Im Mobimo Tower entstehen
Penthouses der Superlative.
In Zürich West, das nicht zu den Toplagen, aber zu den Trendquartieren der Stadt zählt, werden im 23. Stockwerk des von Stararchitekt Roger Diener geplanten Mobimo Tower vier Penthouses der Superlative gebaut, je 300 Quadratmeter gross und ausgestattet mit den exklusivsten Materialien. In dem mit Kalkstein ausgelegten Badezimmer lässt sich auch unter freiem Himmel baden. Über den Preis wird geschwiegen. Die Quadratmeterpreise des Quartiers von 10'000 bis 14'000 Franken lassen einen Preis pro Wohnung von vier bis fünf Millionen Franken erwarten.
Im Vergleich mit dem Ausland ist das schon fast ein Schnäppchen. Ein Penthouse mit 334 Quadratmetern an der Avenue Princesse Grace in Monaco kostet rund 50 Millionen Dollar. Donald Trump bietet ein Duplex-Penthouse an der New Yorker Park Avenue für 32 Millionen Dollar an. Die Witwe des Filmproduzenten Aaron Spelling wiederum hat sich in Los Angeles ein Penthouse für 47 Millionen Dollar gekauft.
Im Vergleich zum Ausland gibt es in
der Schweiz noch Schnäppchen.
Was aber, neben einer spektakulären Sicht und einem exklusiven Standort, macht diese Immobilien so teuer, obwohl sie im Verhältnis fast keinen Grund und Boden beanspruchen? Der Bodenpreis richtet sich nach dem Standort und auch nach der möglichen Ausnutzung. Bauland ist teuer, und je höher der Bau, desto höher die Kosten. Sie sind bei Hochhäusern exponentiell. «Die Baukosten sind gerade bei einem Hochhaus erheblich, da in der Schweiz ein hohes Qualitätsbewusstsein herrscht», sagt Patrick Gmür, Architekt und neuer Direktor des Amtes für Städtebau in Zürich. Ein Hochhaus ist starken Winden ausgesetzt, es muss erdbebensicher sein. Die Auflagen bezüglich des Energieverbrauchs und der Feuerpolizei verteuern den Bau weiter. Mit 10 bis 20 Prozent Mehrkosten rechnet Gmür, der James gebaut hat, eines der ersten Hochhäuser der jungen Generation. Den Bau des Hochhauses Hard Turm Park hat er zusammen mit seinem Büro projektiert.
Per Inserat. Mit Glück erfüllten sich Evelyne und Urs Haussener ihren Traum vom Wohnen. Sie fanden ihre 280 Quadratmeter grosse Penthousewohnung an der Ampèrestrasse in Zürich per Inserat. Die Architektur aus Stahl und Glaselementen, die verschiedenen Aussenräume sowie der Blick auf die Dächer der Stadt und die Limmat haben das Paar verzaubert.

Roher Look: Die klaren Linien der Hausfassade am Kreuzplatz werden in den Innenräumen aufgenommen. Speziell entwickelte Möbel dienen als Raumtrenner.

Der Luxus dieser Wohnform ist in der Schweiz noch relativ jung. Das kleine Alpenland mit eher ländlichen Strukturen und verhältnismässig kleinen Städten tat sich lange schwer mit dem Bau von Hochhäusern. Während in den USA Ende des 19. Jahrhunderts bereits 100 Meter hohe Häuser gebaut wurden, wagte man sich hierzulande erst Ende der zwanziger Jahre an achtgeschossige Bauten. 1929 entstanden in Basel am Aeschenplatz das Gebäude der Basler Lebensversicherung, in Winterthur das Verwaltungsgebäude der Winterthur-Unfallversicherung. Im internationalen Vergleich konnte erst das 1931 vollendete Hochhaus Bel-Air Métropole in Lausanne mit 16 Geschossen mithalten. In den Folgejahren entstanden nur vereinzelt hochgeschossige Bauten. Während die hohen Bürogebäude in den Schweizer Stadtzentren wie das Hochhaus zur Schanze in Zürich Prestigecharakter hatten, war das Wohnen in Hochhäusern an der Peripherie der Städte alles andere als chic.

Wipkinger Trouvaille: Architektur aus Stahl und Glaselementen: Dachwohnung an der Ampèrestrasse – mit Blick auf die Limmat und den Bluewin Tower.

Edel und Elegant. Die Mitte der siebziger Jahre gebauten vier Hardau-Hochhäuser in Zürichs Kreis 4 mit 72 Meter Höhe waren über Jahre hinweg die einzigen Wohnhochhäuser. Die Appartements waren damals eher klein. Der aktuelle Hype ist auf vollkommen veränderte Lebensgewohnheiten zurückzuführen. Urbane Junge und Junggebliebene ziehen diese Art von Wohnen vor. Eine Klientel, die hohe ästhetische Ansprüche an Wohnen und Architektur hat. So bauen viele Architekturstars an den neuen Hochhäusern. Neben Patrick Gmür sind Büros wie Diener & Diener oder Gigon/Guyer in Zürich sowie Herzog & de Meuron in Basel am Projektieren und Konstruieren. Die Grundrisse sind grosszügig. «Im Hochhaus will man nicht zuvorderst wohnen», sagt Gmür und hat Nebenräume wie Bad und Küche der Fassade zugeordnet. Von hier wie auch aus der verglasten Loggia geniesst man den Blick in die Ferne. Edel und elegant streben die Bauten gegen den Himmel. Die Aussenfassade des Mobimo Tower beispielsweise besteht aus Naturstein, während die unterschiedlich grossen Kastenfenster dem Hard Turm Park eine spannende Ästhetik verleihen.
«Am liebsten würden wir nur
Penthouses bauen.»
Nicht zuletzt kommt der Bau von Hochhäusern dem städteplanerischen Ziel entgegen, verdichtet zu bauen und Bodenressourcen zu schonen. Dies ganz im Interesse von Penthouseliebhabern und deren Verkäufern. Der Makler Stefan Schmid: «Am liebsten würden wir nur Penthouses bauen.»
Text: Regina Decoppet und Birgitta Willmann
Fotos: Martin Guggisberg, Kyncl Schaller Architekten, Stadt Zürich, Francesca Giovanelli, Keystone
Penthouse-Vorbilder
In New York oder Hongkong haben Penthouses eine lange Tradition.
Während in der Schweiz über Hochhäuser noch immer kontrovers diskutiert wird, gehören sie anderswo schon lange zum Stadtbild. Da die Bodenreserven in den meisten Metropolen knapp werden, bleibt bautechnisch nichts anderes übrig, als in die Höhe zu wachsen. Die Liebhaber von Penthousewohnungen freut es.
Als Mekka dieser luftigen Wohnform gilt New York, wo Penthouse- und Attikawohnungen Tradition haben. Dort ist auch das durchschnittliche Preisniveau am höchsten.
Der Verkaufspreis für das 16 Zimmer umfassende Penthouse auf dem New Yorker Hotel Pierre am südöstlichen Rand des Central Park beläuft sich beispielsweise auf 70 Millionen Dollar. Das Objekt verfügt über drei Stockwerke und einen 325 Quadratmeter grossen Ballsaal. Ebenso exklusiv ist das vor zwei Jahren im neoklassizistischen Stil errichtete Hochhaus mit der noblen Adresse 15 Central Park West. Ob Hedge-Fund-König Daniel Loeb, der das 45 Millionen teure und 994 Quadratmeter grosse Penthouse erstanden hat, immer noch darin wohnt, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass der australische Medienmogul Rupert Murdoch für sein Penthouse an der 5th Avenue mit 750 Quadratmetern auf drei Stockwerken 44 Millionen Dollar gezahlt hat.
Konkurrenz erwächst New York in Dubai: Dort werden die Rekorde gebrochen. Eben erst wurde das mit 818 Metern höchste Gebäude der Welt, das Burj Dubai, fertiggestellt – selbstverständlich mit exklusiven Penthouses. Exklusiv ausgebaut sind auch die Wohnungen der beiden Park Towers im Herzen des Finance Center, die mit ihren 30 Stockwerken neben dem Burj Dubai wie Zwerge wirken.
Auch Hongkong wächst in schwindelerregende Höhen. Der grösste Immobilienentwickler, Sun Hung Kai Properties, hat die Preise für zwei 370-Quadratmeter-Penthousewohnungen im Hochhauskomplex The Cullinan am Union Square auf 100'000 Franken je Quadratmeter festgesetzt.
Das teuerste Penthouse der Welt ist derzeit in Londons City am Hyde Park am Entstehen. In der Nachbarschaft hat sich Scheich Hamad, der Premier- und Aussenminister von Katar, 2007 für 135 Millionen Euro eine 2000 Quadratmeter grosse Penthousewohnung gekauft. Das Objekt bietet schusssichere Fenster und ein topmodernes Luftreinigungssystem.

70 Millionen Dollar wert: Penthouse auf dem Hotel Pierre in New York.
Dagegen ist Madrids teuerstes Penthouse für neun Millionen Euro ein Schnäppchen. Es liegt im herrschaftlichen Stadtbezirk Salamanca und hat eine Fläche von 307 Quadratmetern.
Hochhäuser
Vor allem in Zürich und Basel entstehen immer mehr Turmbauten.
Basel
Hochhaus Markthalle
Architekten: Diener & Diener, Basel
Höhe: rund 50 Meter
Wohnen: 47 Mietwohnungen
Standort: Viaduktstrasse
Fertigstellung: 2012 (geplant)
www.allreal.ch
Hochhaus Warteck
Architekten: Morger & Dettli, Basel
Höhe: 88 Meter
Standort: Ecke Riehenring/Messeplatz
Fertigstellung: 2012 (geplant)
www.warteck-invest.ch
Olten
Turm von Olten
Architekt: Remo Riva, Hongkong
Höhe: 110 Meter
Standort: Louis-Giroud-Strasse
Fertigstellung: erst in Planung
www.turmvonolten.ch

Verändert die Stadtkulisse: Hochhaus-Projekt auf dem
Löwenbräu-Areal in Zürich West.
Zürich
Mobimo Tower
Architekten: Diener & Diener, Basel
Höhe: 81 Meter
Wohnen: 33 Eigentumswohnungen
Standort: Pfingstweidstrasse
Fertigstellung: 2011
www.mobimotower.com
Löwenbräu-Areal
Architekten: Gigon/Guyer,
Zürich
Höhe: 70 Meter
Wohnen: 56 Eigentumswohnungen
Standort: Limmatstrasse
Fertigstellung: 2012
www.psp-swissproperty.ch
Europaallee – Projekt Baufeld G
Architekten: Arge Graber Pulver, Zürich, und Masswerk, Kriens
Wohnen: 130 Eigentums-
und Alterswohnungen
Europaallee – Projekt Neufrankengasse
Architekten: EM2N, Zürich
Wohnen: 28 Eigentumswohnungen
Fertigstellung: 2019 (geplant)
www.europaalle.ch
Escher-Terrassen
Architekten: e2a Eckert Eckert, Zürich
Höhe: 57 Meter
Wohnen: 60 Mietwohnungen
Standort: Escher-Wyss-Platz
Fertigstellung: 2011
www.allreal.ch
Hard Turm Park
Architekt: Patrick Gmür, Zürich
Höhe: 75 Meter
Wohnen: Eigentumswohnungen
Standort: Pfingstweidstrasse
Fertigstellung 2012
www.hardturmpark.ch
Stadtentwicklung
Das Thema der Siedlungsverdichtung wird laut Brigit Wehrli-Schindler in der Schweiz immer wichtiger.
Eine solche Entwicklung begünstige den Bau in die Höhe.
BILANZ HOMES: Als Direktorin Stadtentwicklung Zürich gehören Sie zum Kreis derjenigen, die sich über die bauliche Zukunft der Stadt Gedanken machen. In jüngster Zeit schiessen Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden. Wie kommt das?
BRIGIT WEHRLI-SCHINDLER: Es entspricht dem aktuellen Zeitgeist im Städtebau und dem Wunsch der Bevölkerung nach Urbanität. Auch Zürich ist daran, solche Zeichen von Aufbruch zu setzen. Zürich versteht sich als international ausgerichtete Stadt, da muss es auch architektonisch eine Weiterentwicklung geben. Hinzu kommt, dass wegen der engen Raumverhältnisse in der Schweiz das Thema der Siedlungsverdichtung, das heisst der Verdichtung nach innen, immer wichtiger wird. Statt auf der grünen Wiese neues Bauland einzuzonen, sollte man die bestehenden Siedlungsgebiete in den Städten stärker nutzen, also dort auch in die Höhe bauen.
Trotzdem steht in Zürich noch nicht Hochhaus neben Hochhaus.
Nein, nur schon wegen der Vorschriften nicht. Zürich hat Hochhausrichtlinien, in denen die Gebiete, wo Hochhäuser gebaut werden dürfen, genau definiert sind. Ausserdem verlangt das kantonale Planungs- und Baugesetz, dass um ein Hochhaus genügend Umschwung eingeplant wird. Nehmen wir als Beispiel den Prime Tower auf dem Maag-Areal in Zürich West, das demnächst höchste Gebäude der Stadt. Es wird sehr hoch – aber gerade deshalb muss gemäss Planungs- und Baugesetz darum herum auch eine entsprechend grosse Fläche frei bleiben.
Ab welcher Höhe gilt in Zürich ein Gebäude als Hochhaus?
Bereits ab 25 Metern. Eines der geplanten Gebäude auf dem Löwenbräu-Areal wird 70 Meter hoch sein, wirklich hoch wird der erwähnte Prime Tower mit 126 Metern.
Wird sich das Stadtbild dadurch stark verändern, wie Hochhausgegner befürchten?
Ja und nein. Die Richtlinien erlauben den Bau von Hochhäusern nur an städteplanerisch erwünschten Orten. Diese befinden sich in der Regel im Tal, etwa in Zürich West oder den neuen Zentren in Zürich Nord. In der Innenstadt dagegen sind Hochhäuser verboten.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass mit Hochhaussiedlungen die Gefahr von Ghettoisierung besteht. Was bedeutet der Bau von Hochhäusern für die Zürcher Quartiere?
Damit hat man sich natürlich auseinandergesetzt. Im Rahmen von Entwicklungsplanungen, beispielsweise in Zürich West und Zürich Nord, wird über die künftigen Nutzungen und Einordnungen der Bauten diskutiert. So sind gerade bei Hochhäusern die Erdgeschossnutzungen sehr wichtig. In amerikanischen Städten haben die Hochhäuser meist ein Basement mit öffentlichen Nutzungen. Dort gibt es Platz für Läden, Restaurants und öffentliche Räume. Solche Erdgeschossnutzungen werden auch in Zürich von der Stadt gefördert.
Heute ist es hip, in einem neuen Hochhaus zu wohnen. Begehrt sind die meist sehr teuren Penthousewohnungen. Welche Leute fühlen sich davon angezogen?
Menschen, welche die Urbanität sehr schätzen. Viele lieben das Grossstadtfeeling. Diese Leute wollen in einer bestimmten Phase ihres Lebens so wohnen. Es ist spannend, auf die Stadt hinunterzublicken und die Urbanität zu erleben. Man ist mitten im Geschehen – aber man ist auch darüber.
In den siebziger Jahren, als die vier Hardau-Hochhäuser gebaut wurden, war dies anders. Damals war das eher sozialer Wohnungsbau.
Das ist richtig. Danach gab es für lange Zeit keinen Hochhausbau mehr in Zürich. Die Fachwelt war lange Zeit davon überzeugt, dass das Wohnen im Hochhaus keine gute Sache sei, vor allem nicht für Familien mit Kindern. Vor einigen Jahren liessen wir eine Studie zum Thema Wohnhochhaus erstellen. Die meisten Investoren glaubten nicht an seine Zukunft. Für Büronutzungen hingegen war das Hochhaus immer ein Thema.
Schätzen die Zürcher die Hochhäuser der Stadt?
Natürlich wird das Thema nach wie vor kontrovers gesehen. Als eines der Ergebnisse unserer Bevölkerungsbefragung von 2007 zur Veränderung der Stadt kristallisierte sich heraus, dass die eine Hälfte der Befragten den Bau von Hochhäusern befürwortet, die andere ihn ablehnt.

Brigit Wehrli-Schindler ist Direktorin der Fachstelle Stadtentwicklung Zürich.
Editorial. Regina Decoppet und Birgitta Willmann über den Boom der Hochhäuser.
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